Samstag, 29. Januar 2011

Australian Open: Duell der Schattenmänner

Von: Christian

Was ist das Traumfinale bei den Australian Open 2011? Fragte man dies Ende des letzten Jahres hörte man wie so oft "Nadal vs Federer". Zu dieser Zeit wurde dieses Duell auch etwas wiederbelebt. Beim Tourfinal in London standen beide in Finale, danach spielten sie in 3 Exhibitions gegeneinander. Nadal war bei den letzten Grand Slam unschlagbar gewesen, Federer hatte das Saisonende dominierte. Sehr wahrscheinlich also, dass beide also auch hier das Finale spielen würden. Doch daraus wurde, wie wir alles wissen nichts. Nadal stoppten leider mal wieder körperliche Probleme, Federer verlor gegen einen bärenstarken Djokovic, den er nach den US Open 3 mal besiegen konnte.

Dieser Djokovic spielt nun im Finale gegen Andy Murray, mit dem er selbst befreundet ist. Auf dieses Finale haben wohl eher weniger getippt. Das Problem bei den beiden ist, dass sie sich aufgrund ihrer Ranglistenposition, die lange immer 3 und 4 war, erst im Finale treffen können. Dafür jedoch müssen jeder entweder Roger Federer oder Rafael Nadal ausschalten, eine Herkulesaufgabe. Nicht, dass es den beiden noch nicht gelungen wäre. Murray besiegte den Spanier 2008 bei den US Open und letztes Jahr hier in Melbourne (und verlor 2 mal im Finale gegen Federer). Djokovic schaltete den Schweizer vor 3 Jahren an selber Stelle aus (was zu einem bisher einzigen Majortitel führte), und letztes Jahr bei den US Open. Jedoch überwiegen eher die Erfahrungen, dass sie die beiden zwar herausfordern konnten, aber dass es zu mehr nicht reichte. Oder, dass sie bereits vor dem Halbfinale scheiterten.

Beider standen also im Schatten de beiden größten Spieler der letzten Dekade. Djokovic gelang es mit seinen Australian Open Titel 2008 kurzzeitig aus ihren Schatten zu treten (die Hoffnung auf eine neue Era wurde jedoch enttäuscht), nun ist es wieder soweit. Wer wird es nun aber sein, der in diesem Finale, das erste ohne Beteiligung von Federer oder Nadal seit 3 Jahren, den Titel, den ersten Nicht- Federer oder Nadal Titel seit US Open 2009, holen wird:

Womit fängt man an? Üblicherweise mit der Head to Head Bilanz. Hier führt der Serbe 4-3, ein Sieg war allerdings auf Sand, so dass wird eine Hard Court Bilanz von 3-3 haben. Die letzten 3 Aufeinandertreffen gewann allerdings alle Murray, die letzten 2 waren Master Finals. Das Ganze liegt allerdings schon eine Weile zurück, es ist das erste Duell seit Sommer 2009. Daher würde ich nicht viel auf diese Bilanz geben. Duelle, die fast 2 Jahre her sind, beeinflussen nicht wirklich ein heutiges Match. Spieler verändern sich im Laufe der Zeit. Nun zu den Leistungen beim aktuellen Turnier, und wer mehr beeindruckt hat. Das ist Novak Djokovic, aus einen simplen Grund, er hat Roger Federer geschlagen, und das in mit 3 Sätzen noch relativ klar. Murray fehlt dagegen bisher ein Match gegen einen Gegner auf Augenhöhe, das Match gegen Ferrer war schwer, ohne Frage, aber der Brite war favorisiert.

Ich denke, dass ist mit der Grund, warum der Serbe vielerseits als Favorit eingstuft wird. Der Mann scheint auf einer Mission. Letztes Jahr gewann er mit Serbien in Belgrad den Davis Cup, ein großer Erfolg, der ihm ohne Zweifel sehr viel Selbstvertrauen gab. Hier bei diesem Turnier marschierte er geradezu duch das Turnier. Gegen Berdych wurde ein knappes Match erwartet, gegen Federer ebenso. Er schlug beide ohne Satzverlust. Das alles weist unglaubliche Paralellen an das Turnier vor 3 Jahren auf. Gegen Federer wirkte Djokovic auch nervlich sehr stark, man hatte nicht das Gefühl, dass das Match noch einmal kippen würde. Murray hatte in seinem Halbfinale mehr mit sich selbst zu tun, er hatte immer wieder Phasen, in dem er Ferrer ins Spiel kommen ließ, wobei er eigentlich der Spieler mit mehr Mitteln ist.

Gehen wir fort von mentalen Aspekten zu den Fähigkeiten der beiden als Spieler an sich. Beide beeindrucken durch ihre Physis, und sind sehr starke Konterspieler, die sehr viele Bälle im Spiel halten können. Lange Rallies sollten auf jeden Fall garantiert sein. Djokovic ist jedoch der etwas aggressivere Spieler, seine Vorhand wirkt sehr stark hier, und auch allgemein die Länge seiner Grundlinienschläge, womit er den Gegner immer mehr zurücktreibt. Rückhand und Vorhand nehmen sich nicht viel. Murray ist der Spieler, der eher auch abwartet, Tempowechsel einstreut, und mit sehr glatten Schlägen agiert. Dabei ist die Rückhand eher eine Waffe als die Vorhand. Ich würde sagen, dass er der Spieler ist, der mehr Gefühl am Netz hat, dies sollte er versuchen einzusetzen.

Auffallend war, dass beide gute Nerven bei eigenem Aufschlag hatten. Sie wehrten jeweils Breakbälle mit Service Winnern ab. Noch vor ein paar Monaten würde man Murray in Punkto Aufschlag einen Vorteil geben, aber da hat sich der Serbe klar gesteigert. Besonders seine erste Aufschlagquote ist bei diesem Turnier überzeugend.

Aus ihren Spielweisen lässt sich nicht wirklich herausfiltern, wer als Sieger den Platz verlassen wird. Entscheident wird sein, wer sein Spiel besser umsetzt. Spielt Djokovic konstant aggressiv von der Grundlinie von beiden Seiten mit guter Länge, wird es schwer ihn zu stoppen. Murray wird aufpassen müssen, dass er nicht, was ihn bereits desöfteren passiert ist, in Passivität verfällt. Tempowechsel sind gut, aber es darf nicht darin ausarten, dass er nur noch den Ball im Spiel hält. Physich wird es ein hartes Match, aber von der Fitness und Müdigkeit denke ich, dass nieman im Vorteil ist. Murray spielte ein langes Match gegen Ferrer, und hat einen Tag weniger Pause, aber zuvor hatte überwiegend "leichte" Matches.

Das Thema Druck: Das wird mit Sicherheit eine Rolle spielen, erst recht in einem großen Finale. Murray spielt sein 3. Finale, bisher hat er seine beiden verloren. Man erwartet schon lange von ihm, dass er endlich ein Majorturnier gewinnt - das wird nicht einfach. Djokovic hat diesen einen Sieg schon, möglichweise ein kleiner Vorteil. Auf jeden Fall ist es für beide eine sehr große Chance einen Majortitel zu gewinnen. Bei den French Open sind die Chancen gegen einen übermächtigen Nadal sehr gering, und beide spielen wohl auch lieber auf Hard Court als auf Rasen (dort ist wiederum der Spanier wieder stärker als auf Hard Court). Diese Chance wird sich also wahrscheinlich nicht wieder so schnell ergeben.

Ich selbst bin neutral im Finale. Ich hoffe, dass es lang und spannend wird - das letzte Finale bei einem Grand Slam über die komplette Distanz ist schon mehr als ein Jahr her, es wird wieder mal Zeit. Sehr schön finde ich es, dass es mal ein neues Duell gibt, und einen neuen (im Falle Djokovic einen relativ neuen) Sieger gibt. Aber im Zweifelsfall würde ich auf einen 4 Satzsieg für den Serben tippen.

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