Mittwoch, 17. Februar 2010

Mehr Quantität als Qualität

Von: Christian

Leider ist Tennis in Deutschland seit einigen Jahren immer mehr zur Randsportart verkommen. Nur selten stehen Ereignisse der ATP-Tour im Interesse der Öffentlichkeit. Gut lässt sich dies an den Übertragungen im TV ablesen. Während man Grand Slams im Fernsehen sehen kann, sieht es mit anderen kleineren Turnieren düster aus, außer bei ein paar deutschen Turnieren und anderen (Basel, Doha als Beispiel). Ein Hauptgrund liegt darin, dass es in Deutschland schlicht und einfach an Spitzenspielern fehlt. Eine Sportart ist nunmal dann sehr interessant, wenn Spieler eines Landes auch sehr erfolgreich sind. Biathlon ist zu einer der populärsten Wintersportart in Deutschland geworden, vor allem aufgrund von jüngsten Erfolgen.

Deutschland hat 11 Spieler, die aktuell in der Top 100 spielen. Also ist statistisch gesehen jeder 9. Top 10 Spieler ein Deutscher. Nicht viele Nationen kommen an diesen Wert heran, Spanien hat die selbe Anzahl an Spielern in dieser Kategorie und Frankreich sogar 13. Dennoch lässt sich diese Zahl sehen lassen und zeigt, dass an der Breite im deutschen Tennis nicht mangelt, im Gegenteil, dieser Wert ist top. Nur liegt dort nicht das Problem. Dem deutschen Tennis mangelt es nicht an Quantität, sondern an Qualität.

Um das zu veranschaulichen nehmen wir wieder als Beispiel eine andere Nation. Die Schweiz hat 3 Spieler, die in der Top 10 stehen. Also beträchtlich weniger als Deutschland, jedoch haben sie mit Wawrinka einen guten Spieler und mit Federer eine lebende Legende. Deutschland dagegen hat 2 Spieler, die in der Top 30 stehen und zwar Rang 18 und 28. Danach folgen die weiteren Platzierungen ab Platz 40. Man sieht, dass es einfach an einem Spitzenspieler fehlt, der in der Top 10 steht und damit regelmäßig gute Ergebnisse, auch bei grossen Turnieren, erzielt. Aber ein Spieler, der dies erreichen kann, ist nicht wirklich in Sicht.

Die aktuelle deutsche Nummer 1 ist Tommy Haas, er ist im Moment der beste deutsche Spieler. Nachdem er 2008 auf Rang 84 das Jahr beendete, steht er jetzt in der Top 20. Das letzte Jahr war für ihn ziemlich erfolgreich. Schon bei den French Open spielte er ein gutes Turnier, und das, obwohl Sand nicht sein Belag ist. Aber dieses Mal lief es richtig gut, er führte bereits 2-0 in Sätzen gegen Roger Federer und hätte dessen Traum vom ersten Titel in Roland Garros beinahe zerstört. Die Rasensaison war daraufhin wirklich überragend, in Halle holte er sich den Titel und in Wimbledon marschierte er bis ins Halbfinale. Ab dann ließ der Erfolg jedoch nach, bei den US Open und Australien Open erreichte er je die 3.Runde. Haas, der schon einmal in der Top10 zu finden war, hatte schon immer viel Talent als Spieler, aber viele Verletzungen verhinderten eine erfolgreichere Karriere. Im April wird Haas 32, er ist nicht mehr der jüngste auf der Tour, und es nicht unbedingt davon auszugehen, dass er sich auf seiner aktuellen Position hält, denn bei Wimbledon wird er sehr viele Punkte verteidigen müssen.

Hinter Tommy Haas kommt Philip Kohlschreiber, der aktuell 26 Jahre ist und auf Rang 28 steht. Im Gegensatz zu Haas, dem man aufgrund seines Alters eher nicht mehr zutraut weiter nach oben zu kommen, sieht dies bei ihm anders aus. Er verfügt nämlich durchaus das Potential in die Top 20 zu kommen, was er auch schon bewiesen hat. Letztes Jahr schaffte er zum Beispiel eine grosse Sensation und bezwang Novak Djokovic bei den French Open in 3 Sätzen. Ein anderes Beispiel ist die Davis Cup Partie in Spanien, wo er seine beiden Einzelspiele gewann, besonders beeindruckend war sein Sieg gegen Verdasco. Sein Problem ist aber die Konstanz, gute Leistungen und schlechte wechseln sich bei ihm ab. So verlor er beispielsweise nach seinen Triumph über Djokovic das nächste Match gegen Robredo. In Wien stand er letztes Jahr im Halbfinale und schied dann in Basel in der ersten Runde aus. Will er weiter nach oben, wird er diese Unkonstanz ablegen müssen.

Auf Haas und Kohlschreiber folgt dann eine "Armada" von deutschen Spielern, die nur in Ausnahmefällen etwas reißen können. Wie beispielsweise Berrer letzte Woche in Zabreg als er bis ins Finale kanm und sich dort teuer gegen Cilic verkaufte. Nun sollte man, wenn man die aktuelle Situation des deutschen Tennis bewertet, die Breite an Spielern in der Top 100 vergessen, dann auch das ist ein Zeichen von Qualität. Aber ist kaum zu leugnen, dass Deutschland mehr Qualität in der Spitze vertragen könnte.

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