Freitag, 9. Juli 2010

Die Uhr zurückgedreht

Von: Christian

Vor ein paar Monaten sah alles um den Spanier Rafael Nadal noch düsterer aus. Nach einer Saison, in der er verletzungsbedingt nie wirklich in gute Form kam, war seine Fitness fraglich zu Beginn des Jahres. Und die Befürchtungen bewahrheiteten sich leider, Nadal musste im Viertelfinale der Australian Open gegen den Briten Andrew Murray aufgeben. Ein denkbar schlechter Start in die neue Saison, doch so wie ihm 2009 der Sieg in Melbourne kein Glück für den Rest der Saison brachte, so lief es diesmal umgekehrt.

Nun sieht es so aus, als sei die Uhr für den Spanier um 2 Jahre zurückgedreht. Wie vor 2 Jahren gelang ihm der Gewinn der French Open und Wimbledon, wodurch er wieder die Nummer 1 des Herrentennis ist. Wieder ist Nadal das Maß aller Dinge auf der ATP Tour. Aber auch einige Dinge haben sich geändert:

Nadal scheint aus der Leidenszeit, die 2009 erleben musste, gelernt zu haben. Da wäre zum Einen die Spielweise des Spaniers. Er war immer der Spieler, der in jedem Match 100% Prozent gab, der jedem Ball hinterher lief. Diese Spielweise brachte zum Einen natürlich viel Erfolg, zum Anderen laugte sie den Spanier aber immer aus. So kam es schließlich auch zu seiner Verlertzungszeit 2009. 2010 hat Nadal in diesem Punkt dazugelernt, er lebt weiterhin auch von seiner Physis, aber er spielt auch kraftsparender. Gut zu sehen war dies zum Beispiel im Finale in London am letzten Sonntag. Nadal spielte über große Teile des Matches nicht besser als sein Kontrahent, aber immer wenn wichtige Punkte anstanden war er präsent und nutzte seine Chancen.

Neben dieser neuen energiesparenderen Spielweise hat er auch seinen Turnierplan entschlankt. Nadal ist immer mehr auf die "großen" Turniere fokussiert. So sagte der Spanier zum Beispiel bei seinem Heimatturnier in Barcelona ab, um sich selbst nicht zu überspielen. Eine kluge Entscheidung, gewann er doch alle 3 Sandmasters im Vorfeld der French Open.

Diese Veränderungen zahlten sich aus, Nadal steht wieder ganz oben und beginnt in die Phalanx der besten Spieler aller Zeiten einzudringen. 8 Grand Slam Titel hat der Spanier mittlerweile errungen und ist damit mit Tennisgrößen wie Andre Agassi, Ivan Lendl und Jimmy Connors gleichgezogen. Dabei ist zu beachten, dass Nadal trotz dieser zahlreichen Titel immernoch erst 24 Jahre alt ist. Bleibt also noch einige Zeit für weitere Titel. Neben seinen Majortitel hat er noch den Rekord der meisten Master Titel, und er gilt als der vielleicht beste Spieler auf Sand aller Zeiten (5 French Open Siege werden kaum das Ende für ihn sein). Insgesamt ist Rafael Nadal dabei eine Tennislegende zu werden, so wie es sein Rivale Roger Federer bereits ist.

Ein großes Ziel bleibt dem Spanier aber noch, den Sieg bei dem letzten Grand Slam Turnier, welches er noch nicht gewinnen konnte, den US Open. Dort erreichte Nadal bisher maximal das Halbfinale. Damit würde er mit Federer und Agassi zu den Einzigen Spielern zählen, die den Karriere Slam erreicht haben, und darüber hinaus der Einzige sein, der den "Golden Slam" geschafft hätte. Man darf gespannt bleiben.

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