Sonntag, 23. Oktober 2011

Im Schatten der Titanen

Was macht Tennis zu einer besonderen Sportart und für Fans so interresant? Da ist einerseits das Spektakel, das Besondere, das man in Matches beobachten kann. Beeindruckende Winner, raffinierte Stoppbälle, geniale Halbvolleys um einige Beispiele zu nennen. Spieler mit solch einer spektakulären Spielweise sind jene, die oft zu Fanlieblingen werden. Doch wir haben auch Spieler, die weniger auffallen, bei denen sich viele Fans fragen wie sie zu einem solchen Erfolg kommen, obwohl bei Ihnen scheinbar das Besondere zu fehlen scheint.

Ein gutes Beispiel aktuell ist David Ferrer, im Moment Nummer 5 der Welt und auf den Weg seine beste Saison seiner Karriere zu spielen. Was macht den Spanier aus? Es sind nicht umbedingt besonders gute und gewinnbringende Grundschläge, nicht umbedingt das Gefühl in seinen Schlägen wie Volleys oder Stopp, nicht umbedingt sein Aufschlag (gehandicapt auch durch seine Größe). Diese Spielkompenenten sind alle vorhanden bei Ferrer, aber eben auch nicht herausragend im Gegensatz zu anderen Spielern. Von daher kommen oft Behauptungen, dass er in der Region in der er steht nichts zu suchen hätte.

Es sind andere Stärken, die bei Ferrer zu seinem Erfolg führen. Da wäre sein ungemeine Beständigkeit, sowohl über den Verlauf eines Matches und auch in einem Turnierjahr. Diese Konstanz wird derzeit wohl nur von den Top 4 erreicht. Dazu gehört auch sein ungemeiner Wille und die Fähigkeit sich in Matches reinzukämpfen. Wichtig ist natürlich auch sein starke physische Verfassung, wodurch er auch mehrere Wochen am Stück sein bestes Tennis spielen kann und über eine der besten Defensiven auf der Tour verfügt. Zu sehen war dies vor allem zu Beginn des Jahres, als er in der Woche vor den Australian Open den Titel in Sydney holte und dann dennoch bis ins Halbfinale vorstieß.

Ein Grund, weswegen der Spanier wohl auch unterschätzt wird, ist, dass er nicht zu den Spielern gehört, die für große Siege gegen Topspieler bekannt sind. Ferrer schlägt die Spieler, die er schlagen kann, regelmäßig, verliert aber zumeist gegen Gegner aus den Top 4. Eine Ausnahme war sein Sieg gegen Nadal dieses Jahr in Melbourne. Es passt jedoch zu seinen bescheidenen Charakter, dass er die Verletzung seines Landsmann und nicht seine eigene Leistung in den Vordergrund stellte. Man wird von Ferrer kaum ein negatives Wort über seinen Gegner hören.
Es gibt viele Spieler auf der Tour, die über sehr großes Talent verfügen – wahrscheinlich auch mehr als Ferrer. Dennoch können diese es kaum in einem solchen Erfolg ummünzen, da es ihnen an den grundlegenden Tugenden fehlt, genau das was David Ferrer ausmacht. Von daher sollte man sich meiner Meinung nach eher von Ferrer Dinge abschauen als beispielsweise von einem Federer oder Nadal. Diese Art von Spieler sind einzigartig, Ferrer zeigt jedoch wie man aus seinem Möglichkeiten das beste herausholen kann.

Bald ist diese Saison zu Ende. David Ferrer wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Jahr als Nummer 5 der Welt beenden. Ferrer war zwar bereits die Nummer 4 der Welt und schloß 2007 als ebenfalls als Nummer 5 ab, aber wenn man die aktuelle Top 4 sieht, die wie Titanen im Vergleich zu restlichen Tour wirken, kann man wohl behaupten, dass es die stärkste Saison seiner Karriere ist.

Keine Kommentare: